die alte Kirche in Ahlshausen
Der "Altbau" unserer Kirche
Ahlshausen-Sievershausen gehört seit 1971 zum Pfarrverband Opperhausen. Früher zum Archidiakonat Hohnstedt der Diözese Mainz. Von 1569 – 1699 Sitz einer Superintendentur. Die Kirche trägt den Namen des Heiligen Blasius, den Schutzpatron des von Graf Otto von Northeim im Jahre 1082 gestifteten St.-Blasius-Stiftes in Northeim. Die Gründung des Dorfes und der Kirche sind eng miteinander verbunden. Mündliche und schriftliche Überlieferungen belegen die Gründung durch Herzog Heinrich, den späteren Kaiser Heinrich I. im Jahre 914 mit dem Bau einer Kapelle, anlässlich der Rettung des Herzogs aus Todesnot durch seine beiden Knappen Alehuis und Sievert. Die Gemeinde beging im Jahre 1914 u.a. mit der Darstellung der Entstehungssage in lebenden Bildern die 1000-Jahr-Feier. Erste Erwähnungen der Dörfer finden sich in alten Schriften um 1150 bzw. 1208. Die nach Osten gerichtete Kirche besteht aus einem Schiff mit eingerücktem rechteckigen Chor und Turm. Chor und Schiff aus verputztem Bruchsteinmauerwerk mit Quaderecken und Holzbalkendecken. Der Chor, niedriger als das Schiff und höherliegendem Fußboden, zeigt noch mittelalterliche Spuren (steinernes Kreuz am Ostgiebel). Erneuerung der Kirche 1601 (Inschrift außen an östlicher Chorwand). 1701 verbrannten mit der Kirche, Pfarre und Schule 52 Häuser. Neubau der Kirche 1711, auf diesen Neubau weisen Inschriften an der Süd- und Nordwand des Schiffes hin. Der Turm, heute aus verfugtem Natursteinquadermauerwerk, wurde dreimal erneuert, 1571, 1793, der jetzige Turm mit romanisierender Westfront wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts fertiggestellt.
Im Innern vor der Westwand breite Orgelempore, Empore auch an der Nordwand. Barocke Altarwand mit Kanzel aus bemaltem Holz. Schnitzwerk des Pastorenstuhls (Sakristei) von Anton Schilly 1716, Schnitzwerk des Altars ebenfalls von Anton Schilly 1738.
Orgel von 1716, 1765 Verfall der Orgel erwähnt. 1805 und 1895 Reparaturen. 1914 Neubau der Orgel unter Verwendung der Schmuckteile aus Holz von Anton Schilly.
In 1894 – 1895 wurde eine umfangreiche Renovierung der Kirche vorgenommen, derzeitiger Pastor Richard Diestelmann. Der große expressionistische Maler der Moderne Max Beckmann hat nach jüngsten Recherchen das Jahr 1899 als Privatschüler von Pastor Diestelmann in Ahlshausen verbracht.
Die Farbfassungen der Renovierung von 1895 dienten in Abstimmung mit der Oberen Denkmalschutzbehörde als Grundlage für die jüngsten Renovierungsarbeiten der Kirche.
Die Planungen begannen in 1989, in 1991 wurde die Heizungsanlage in der Pfarre erneuert, danach im Jahre 1992 wurden die Renovierungen in der Kirche durchgeführt und bis heute aus Kostengründen noch nicht abgeschlossen.
Maßnahmenkatalog 1989 – 2001:
Fußboden: Abgängiger keramischer Fußbodenbelag aus dem 19. Jahrhundert wurde erneuert. Leichtbetonsohle mit Sandsteinplatten.
Wände: Die Wände wurden mit Mineralfarben gestrichen in der Farbfassung von 1895. Rudimentäre Reste von Friesen und Schablonierungen wurden auf den Wänden entdeckt, jedoch übermalt.
Decke: Friese und Ornamente sind original erhalten geblieben. Das Blau der Decke im Chor wurde wiederhergestellt. In 1894/95 wurde die Decke neu verschalt und gemalt. Unter dieser Verschalung werden Malereien im Zopfstyl vermutet, die noch in 1822 vorhanden waren.
Taufstein: Der barocke Taufstein ist der zweiten Erneuerung der Kirche in 1711 zuzuordnen. Er wurde restauriert und an alter Stelle wieder aufgebaut. Taufbecken wurde neu beschafft.
Orgelempore: 1711 erfolgte der Wiederaufbau der Kirche unter Verwendung von Restbauteilen des abgebrannten Gebäudes in 1701. Unter zwei monochromen Anstrichen fanden sich an den Priechen biblische Darstellungen des Alten und Neuen Testamentes. Diese wurden freigelegt und dezent retuschiert. Das Alter der Bilder konnte nicht endgültig bestimmt werden, das Restbauteil mit den Priechen könnte der Kirchenerneuerung aus dem Jahre 1601 zugeordnet werden.
Altar: Der Altar stellt baugeschichtlich eine Sammlung verschiedener Epochen dar. Wir finden spätgotische und barocke Elemente sowie Renaissancebauteile. Das Ganze ist zu einem Kanzelaltar mit eingebautem mittelalterlichen Schreinaltar und 12 spätgotischen Apostelfiguren zusammengefügt. Am Sockel der Ädiküla die vier Evangelisten in Flachrelief. Reichhaltiges Schnitzwerk, kannelierte korinthische Pilaster, gewundene Säulenschäfte mit Blumengewinden von Anton Schilly. Der Altar wurde in 1992 vollständig abgebaut, in 1993 neu gefasst wieder aufgebaut. Zurzeit befindet sich das Epitaph „Der Gekreuzigte“ am Altar. Nach der endgültigen Fassung des Altars, der Restaurierung und Fassung der Schmuckteile, werden die restaurierten Apostel mit dem barocken Kruzifix (ein Geschenk an die Gemeinde von Pastor Richard Diestelmann 1895) an den Altar zurückkehren.
Ernst-August Ahlborn (2001)
