Der Kirchturm in Beulshausen hat eine goldene Kugel. Der folgende Text wurde neben einigen anderen Dingen in diese Kugel getan:
Die Kirche in Beulshausen – eine kleine Kirche mit einer ziemlich bewegten Geschichte
1524 – Es geht los
Im Jahr 1524 wurde die Kirche in Beulshausen gebaut. Und dann verschwindet sie erst einmal ein bisschen im Mittelalter – zumindest in den schriftlichen Überlieferungen. Was genau in den folgenden Jahrhunderten passiert ist, wissen wir leider nicht so genau. Die Kirche war aber offensichtlich da und hat die Zeiten überstanden. Und das ist ja schon einmal eine Leistung.
1748 – Beten und Lernen
Im Jahr 1748 erfahren wir durch das sogenannte Corpus Bonorum wieder etwas mehr über das kirchliche Leben in Beulshausen.
An jedem dritten Sonntag fand eine Katechismuslehre statt. Und jeden Mittwochnachmittag gab es eine Betstunde. Diese musste der Schulmeister halten. Der eigentliche Gottesdienst am Sonntag fand allerdings nicht in Beulshausen, sondern in Greene statt. Die Beulshäuser mussten also sonntags ein bisschen unterwegs sein, wenn sie zum Gottesdienst wollten. Kirchenmobilität war damals gewissermaßen noch Fußarbeit.
1715 – Reparieren gehört schon immer dazu
Eine größere Reparatur an der Kirche fand vermutlich um 1715 statt. Darauf deutet zumindest die Jahreszahl hin, die sich auf der Wetterfahne befand.
Und dann wäre da noch die Glocke. Auch sie hat eine erstaunliche Geschichte hinter sich. Die alte Glocke wurde 1637 in Einbeck umgegossen. 1703 ging es weiter nach Wolfenbüttel. Und dann, weil offenbar auch eine Glocke irgendwann nicht mehr konnte oder wollte, barst sie 1725. Damit war aber noch lange nicht Schluss. Sie wurde 1725 erneut eingeschmolzen in Hildesheim neu gegossen 1726 in den Turm gehängt. Man könnte also sagen: Diese Glocke hat in ihrem langen Leben mehr Umzüge und Schmelzvorgänge erlebt als so mancher Mensch.
Von Greene nach Heckenbeck
Mit dem Bau der Kirche in Kreiensen wurde das alte Kirchspiel Greene aufgelöst. 1961 schieden dann auch Erzhausen und Beulshausen aus dem Kirchspiel Greene aus und wurden dem Kirchspiel Heckenbeck zugeschlagen.
Nach 38 Jahren, also 1989, änderte sich das Ganze erneut: Erzhausen und Beulshausen wurden dem Pfarrverband Kreiensen zugeordnet.
Man sieht: Kirchengeschichte besteht nicht nur aus Gebeten, Gottesdiensten und Glocken. Manchmal ist sie auch ein ziemlich kompliziertes Spiel mit Landkarten und Zuständigkeiten.
2001 – Schluss mit dem roten Teppich
Im Jahr 2001 bekam die kleine Kirche ihren heute so schönen Holzfußboden.
Vorher lag dort ein roter Teppich auf Sandsteinen.
Das klingt zunächst ziemlich festlich. Allerdings dürfte der Holzfußboden für die Füße deutlich angenehmer gewesen sein.
2008 – Die Kirche bekommt einen Namen
Der ursprüngliche Name der kleinen Kirche war im Laufe der langen Geschichte leider nicht mehr auffindbar. Also musste ein neuer Name her.
Am 7. September 2008 bekam die Kirche durch Bischof Weber offiziell einen neuen Namen:
„Zum guten Hirten“ Ein schöner Name für eine kleine Kirche. Und vielleicht auch ein ziemlich passender – schließlich hat die Kirche über 500 Jahre lang ihre Gemeinde durch alle möglichen Zeiten begleitet.
2013 – Fusion statt Kandidaten
Im Jahr 2013 wurde die Kirchengemeinde mit der Kirchengemeinde Kreiensen fusioniert. Der Grund war ziemlich praktisch: Es hatten sich nicht genügend Menschen aus Beulshausen bereit erklärt, für den neuen Kirchenvorstand zu kandidieren. Auch das gehört zur Kirchengeschichte: Manchmal entscheidet nicht eine große theologische Frage über die Zukunft einer Gemeinde, sondern ganz schlicht die Frage: „Wer macht eigentlich mit?“
2013 – Und dann war da noch der Kirchturm
Ebenfalls 2013 wurden erste Schäden am Kirchturm entdeckt. Ein Bauantrag wurde an die Landeskirche geschickt. Und dann geschah … erst einmal nichts.
Die Schäden wurden zwar nicht wesentlich größer, aber leider auch nicht kleiner. Als das 500-jährige Jubiläum langsam am Horizont auftauchte, wurde erneut versucht, die Sanierung des Turms auf den Weg zu bringen.
Dieses Mal sah es tatsächlich gut aus. Die Landeskirche sagte die Sanierung zu und alles schien zu laufen. Leider konnten die Bauarbeiten trotzdem nicht rechtzeitig zur 500-Jahr-Feier beginnen. Dann wechselte auch noch der zuständige Bauingenieur der Landeskirche. Eine neue Ingenieurin übernahm, rechnete alles noch einmal neu durch und schließlich wurde zusätzlich noch ein Architekt hinzugezogen. Und so vergingen noch einmal zwei Jahre. Und es wurden noch einmal 40.000 Euro mehr. Aber irgendwann ist es tatsächlich so weit: Der Turm ist fertig! 10. Oktober 2026 – Es darf gefeiert werden
Am 10. Oktober 2026 wollen wir nun mit einem kleinen Fest die Sanierung des Kirchturms und gleichzeitig den 200. Geburtstag unserer Kirchenglocke feiern.
Nach dieser langen Geschichte haben sich beide das wirklich verdient.
Die Kirche hat mehr als 500 Jahre überstanden, die Glocke 200 Jahre. Beide haben Kriege, politische Veränderungen, verschiedene Pfarrämter, Gemeindezusammenschlüsse, Umstrukturierungen überlebt. Das ist durchaus eine Feier wert.
Und wie geht es weiter?
Natürlich bleibt auch in Zukunft nichts, wie es ist.
In der nächsten Zeit stehen wieder große Umstrukturierungen an. Die Pfarrstelle Kreiensen wird nicht wieder besetzt. Die Gemeinde wird künftig von der Pfarrstelle Greene mitverwaltet. Und für das Jahr 2029 ist geplant, dass Greene, Kreiensen und einige weitere Kirchengemeinden in der Kirchengemeinde Bad Gandersheim aufgehen. Was dann aus der kleinen Kapelle „Zum guten Hirten“ in Beulshausen wird, ist derzeit noch nicht ganz klar. Aber eines hat die Geschichte dieser Kirche bisher gezeigt: Sie hat schon so einiges überstanden.
Vielleicht ist das ja auch eine gute Voraussetzung für die Zukunft.
Der Kirchenvorstand 2026
Im Jahr 2026 bestand der Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Kreiensen, zu der auch die Kapelle „Zum guten Hirten“ in Beulshausen gehört, aus:
Daniela Eggers, Vorsitzende
Marina Goslar, stellvertretende Vorsitzende
Kim Beulshausen, Ute Koch, Heiko König, Marianne Pätz, Monika Probst,
Annette Woykoß, Mathias Kipp, Pfarrer
Sie alle gehören damit zu einem weiteren Kapitel in der langen Geschichte dieser kleinen Kirche. Und vielleicht ist das eigentlich das Schönste an der ganzen Geschichte: Eine Kirche ist nicht nur ein Gebäude aus Stein, Holz und einem hoffentlich stabilen Turm.
Eine Kirche lebt von den Menschen, die dort beten, singen, feiern, lachen, trauern, diskutieren – und manchmal auch darüber nachdenken, wer eigentlich den Schlüssel hat.
Die Kirche in Beulshausen hat all das über mehr als fünf Jahrhunderte erlebt.
Und solange Menschen da sind, die sich um sie kümmern, ist ihre Geschichte noch lange nicht zu Ende.

